Gelesener Rock´n Roll

Verfasst von Anonymous am 2. November 2010 - 13:09
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Ein Bericht von Klaus Mencke zum Literaturabend mit Peter Rüchel:
Der geneigte Kritiker schreibt nach einem solchen Abend von der gelungenen Symbiose aus zwei ursprünglich nicht miteinander verwandten Kulturformen. Wer Peter Rüchel zugehört hat, bringt es dann einfach auf die Formel: It’s just Rock´n  Roll.

Just Rock’n Roll, weil Peter Rüchel seine Idee von live im Fernsehen übertragener Musik auch nach fast 40 Jahren nach der ersten Sendung immer noch mit so viel Begeisterung und Hingabe vermittelt, dass der Funke wieder überspringt. Rock’n Roll, weil er ohne jede Spur von Müdigkeit oder Langeweile bis 23.30 Uhr  wunderbare wahre Geschichten erzählt. Und Rock’n Roll, weil es wie in alten Rockpalastzeiten drei große Auftritte gab, nämlich zunächst Heinz-Rudolf Kunze mit einer sehr persönlichen Laudatio, dann Heiner Lürig mit einem speziell auf diesen Abend abgestimmten solo-Gitarrenstück, das quasi alle Rockpalastbands im Schnelldurchlauf berücksichtigte (ohne dabei allerdings irgendeine Tonfolge dieser Bands kopiert zu haben) und dann eben dieser Peter Rüchel.
Wichtig an diesem Abend zu hören: Der Weg, ein so ungewöhnliches Sendeformat durchzusetzen, ist mindestens genauso spannend und kompliziert wie der Ablauf eines Konzerts. Der Mensch, dem das gelingt, der muss beseelt  sein von seiner Idee und er muss, um das Ganze über Jahrzehnte fortzuführen, hartnäckig diese besondere Haltung pflegen. Dass dies Peter Rüchel gelungen ist, zeigt der Erfolg seiner vielen Sendungen und man begreift es erst wirklich, wenn man ihn selbst auf der Bühne erlebt.
Wer zu dieser Lesung die gemeinhin gern gehörten Geschichten über Drogenexzesse und Skandale erwartet hatte, wurde allerdings enttäuscht. Zuerst kommt bei Rüchel der große Respekt vor den Künstlern und ihrer Leistung auf der Bühne – alles, was sonst noch passiert sind, gute Geschichten, möglicherweise auch mal über Drogen; auf Skandalberichterstattung lässt er sich weder im Buch noch bei der Lesung ein.
Fazit dieses Abends: Ja, man kann Rock’n Roll lesen, ohne der Musik dabei etwas anzutun! Dafür geht der Dank an Peter Rüchel!